In der deutschen Zeitschrift Linux-Magazin (2/2016) ein Bericht von Jens-Christoph Brendel über eine IT-Konferenz zum Monitoring. Der Autor erlaubt sich einige interessante Bemerkungen zu den Arbeitssprachen dieser Konferenz :
« Die erste OSMC (damals hieß sie noch Nagios-Konferenz) war ein Erfahrungsaustausch hiesiger Nagios-Anwender. Deutsch war als Konferenzsprache selbstverständlich. Wenige Vorträge auf Englisch gab es trotzdem, aber nur, weil der eingeladene Nagios-Erfinder Ethan Galstad und der damalige Kopf des Nagios-Plugin-Projekts, Ton Voon, sich nur so verständlich machen konnten.
Bei der diesjährigen zehnten Ausgabe der OSMC [1] Mitte November hat sich das Verhältnis umgekehrt, Vorträge auf Deutsch waren in der Unterzahl. Dass es selbst unter ihnen noch welche gab, die glaubten, sich mindestens einen englischen Titel geben zu müssen, mag ein Fingerzeig sein, wie aus einem Notbehelf eine Mode zu werden droht.
Das wäre schade, weil bei aller Internationalisierung der Teilnehmer und Referenten, die es zweifellos gegeben hat, dennoch nach wie vor Deutsch die Muttersprache der Mehrheit der Konferenzteilnehmer ist. Wer nicht von Kindheit an zweisprachig erzogen wurde, wird in der Regel nur in seiner Muttersprache alle Feinheiten des Ausdrucks intuitiv beherrschen.
IT-Pidgin
In einer Fremdsprache können die meisten zwar einen technischen Sachverhalt erklären, aber das passende Sprachbild oder die feine Ironie oder der hintersinnige Witz stehen ihnen nicht zur Verfügung. Und so humpeln sie an englischen Krücken durch die Präsentation, obwohl sie mit wenigstens 90 Prozent der Zuhörer im Saal eine wunderbare gemeinsame Sprache teilen, in der sie alle Möglichkeiten souverän beherrschen würden.
Mit dem ersatzweise gesprochenen IT-Pidgin als kleinstem gemeinsamen Nenner geht ein Stück Kultur verloren und – weil Sprache und Denken zusammengehören – womöglich auch die eine oder andere originelle Idee.»