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Literarische Mehrsprachigkeitsforschung: Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven

Einsendeschluss für Abstracts: 30. März 2026

PLURILINGUISME LITTÉRAIRE

Revue internationale et interdisciplinaire

CALL FOR PAPERS – HEFT Nr. 1

« Literarische Mehrsprachigkeitsforschung: Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven »

Redaktionskollegium 

Olga ANOKHINA — Forschungsbeauftragte, ITEM (CNRS / ENS)
Valentina CHEPIGA — Assoziierte Forschungsbeauftragte, Institut für Slawistik, Universität Straßburg
Anne GODARD — Assistenzprofessorin, Fachbereich Französisch als Fremdsprache, Université Sorbonne Nouvelle (Paris 3)
Anne-Laure RIGEADE — Assistenzprofessorin, Fachbereich Französisch als Fremdsprache, Université Paris-Est Créteil (UPEC)
Dirk WEISSMANN — Universitätsprofessor, Fachbereich Germanistik, Université Toulouse-Jean Jaurès

Präsentation der Zeitschrift

Die internationale und interdisziplinäre Zeitschrift Plurilinguisme littéraire legt mit ihrem ersten Heft den Grundstein für ein neues wissenschaftliches Publikationsforum. Als jährlich erscheinende Open-Access-Zeitschrift im digitalen Format will sie literarische Schreib- und Produktionsformen sowie Praktiken der Verbreitung und Rezeption untersuchen, die durch den Gebrauch mehrerer Sprachen geprägt sind. Zugleich soll sie Raum für theoretische, methodische und kritische Zugänge bieten, die eine differenzierte Analyse solcher Texte ermöglichen.

Obwohl literarische Mehrsprachigkeit lange Zeit als randständiges Phänomen galt, lässt sie sich als historisch wie gegenwärtig weit verbreitete Realität ansehen. Zahlreiche kanonische Autorinnen und Autoren sogenannter „nationaler“ Literaturen – von Dante bis Goethe, von Puschkin bis Tolstoi, von Rilke bis Valéry, von Pessoa bis Guimarães Rosa – waren zwei- oder mehrsprachig; ihre Werke können als von komplexen sprachlichen Dynamiken durchzogen gelesen werden, die jedoch häufig durch tradierte monolinguale Deutungsmuster und entsprechende editorische Rahmungen verdeckt oder marginalisiert wurden.

Das Projekt der Zeitschrift geht aus Forschungsarbeiten hervor, die seit mehr als zwei Jahrzehnten individuell wie auch kollektiv im Bereich der literarischen Mehrsprachigkeit betrieben werden. Zwar hat dieses Forschungsfeld eine ausgesprochen dynamische und produktive Entwicklung erfahren, wie eine stetig wachsende Zahl von Publikationen und wissenschaftlichen Veranstaltungen belegt, doch erfolgte die Verbreitung der Forschungsergebnisse bislang vor allem über Sammelbände oder themenbezogene Schwerpunkthefte allgemein ausgerichteter, nicht spezialisierter Fachzeitschriften. Im europäischen Wissenschaftsraum fehlt es nach wie vor an einer Zeitschrift, die sich ausschließlich und kontinuierlich diesem interdisziplinären Forschungsbereich widmet, obwohl er inzwischen zu den zentralen Erneuerungsimpulsen der Literaturwissenschaft gezählt werden darf.

Mit der Gründung von Plurilinguisme littéraire soll diesem Desiderat Rechnung getragen werden. Angestrebt wird die Etablierung eines regelmäßig erscheinenden und deutlich sichtbaren Publikationsortes, der die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit literarischer Mehrsprachigkeit bündeln, strukturieren und dauerhaft sichtbar machen kann. Zugleich versteht sie sich als Forum für ein Forschungsfeld, das durch eine ausgeprägte begriffliche Vielfalt gekennzeichnet ist und in dem Bezeichnungen wie Zwei- und Mehrsprachigkeit, Multilingualismus, Heterolingualität, Translingualität, Translanguaging, Code-Switching oder Mixtilingualität nebeneinander verwendet werden. Ohne ein verbindliches theoretisches Modell vorzugeben, will die Zeitschrift eine kritische, vergleichende und dezidiert mehrsprachige Diskussion dieser Begriffe fördern, wobei der begrifflichen und terminologischen Ausdifferenzierung in den jeweiligen Wissenschaftssprachen besondere Aufmerksamkeit gelten soll.

Die redaktionelle Ausrichtung der Zeitschrift folgt einem konsequent interdisziplinären Ansatz Plurilinguisme littéraire will Beiträge aus der Literaturwissenschaft, Linguistik, Übersetzungswissenschaft, Textgenetik, Soziolinguistik, (Neuro-)Psycholinguistik, den Kognitionswissenschaften sowie der Sprach- und Literaturdidaktik versammeln, die literarische Kreativität unter Bedingungen sprachlicher Vielfalt untersuchen. Berücksichtigt werden sollen dabei unterschiedliche Erscheinungsformen literarischer Mehrsprachigkeit: Sprachwechsel innerhalb von Texten, Selbstübersetzung, paralleles Schreiben in mehreren Sprachen, die auktoriale Zusammenarbeit mit allophonen Übersetzerinnen und Übersetzern ebenso wie Formen latenter oder verdeckter Mehrsprachigkeit, bei denen scheinbar einsprachige Werke aus komplexen sprachlichen Überlagerungen hervorgegangen sind, die sich insbesondere durch die Analyse von Entwürfen und Archivmaterialien rekonstruieren lassen.

Ein besonderes Kennzeichen der Zeitschrift ist ihr ausdrückliches Bekenntnis zur wissenschaftlichen Mehrsprachigkeit. Sprachliche Vielfalt ist nicht nur Gegenstand der publizierten Forschung, sondern soll zugleich als zentrales redaktionelles Prinzip wirksam werden. So beabsichtigt Plurilinguisme littéraire, Beiträge in sechs Sprachen (Französisch, Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch) zu veröffentlichen und damit sowohl der sprachlichen Vielfalt der untersuchten Werke als auch jener der WissenschaftlerInnen Rechnung zu tragen. Dieses Anliegen steht im Zusammenhang mit einem offenen Wissenschaftsverständnis, das die Zirkulation von Wissen in unterschiedlichen Sprachräumen fördern will und auf eine nachhaltige Stärkung der Mehrsprachigkeit in der Forschung abzielt.

CALL FOR PAPERS DES ERSTEN HEFTS

“Literarische Mehrsprachigkeitsforschung: Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven”

Die erste Ausgabe der Zeitschrift Plurilinguisme littéraire will einen Überblick über die bisherige Forschung zur literarischen Mehrsprachigkeit bieten und zugleich jene theoretischen, methodischen, poetologischen und politischen Perspektiven ausloten, die sich für künftige Analysen mehrsprachiger Werke und Korpora abzeichnen

Vor dem Hintergrund globaler Verflechtungen, beschleunigter kultureller Austauschprozesse, von Migrationserfahrungen sowie der zunehmenden Infragestellung monolingualer Literaturkonzepte möchte dieses Heft Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen versammeln, die sich mit historischen oder zeitgenössischen, europäischen oder außereuropäischen Korpora befassen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sollen Arbeiten versammelt werden, die dazu geeignet sind, die Breite, Vielfalt und analytische Tiefe dieses Forschungsfeldes sichtbar zu machen.

Erwünscht sind insbesondere Beiträge mit theoretischem, historischem oder metakritischem Schwerpunkt, die bestehende begriffliche Rahmen kritisch prüfen, systematisch ordnen oder in ihrer Entwicklung analysieren können. Im Zentrum steht dabei nicht allein die Erweiterung der Korpora und Methoden, vielmehr soll auch eine grundlegende Neuorientierung literaturwissenschaftlicher Zugänge angestoßen werden, die literarische Werke aus der Perspektive ihrer sprachlichen, kulturellen und transnationalen Dynamiken betrachten.

Das vorliegende Heft der Zeitschrift Plurilinguisme littéraire, mit dem also ein neues Publikationsforum für Forschungen zum Schreiben zwischen den Sprachen geschaffen werden soll, versteht sich als Bestandsaufnahme der im europäischen Rahmen und darüber hinaus entwickelten Ansätze und Arbeiten. Entsprechend der redaktionellen Ausrichtung der Zeitschrift können Beiträge unterschiedlicher Disziplinen eingereicht werden (Literaturwissenschaft, Linguistik, Übersetzungswissenschaft, Sprachdidaktik u. a.), die sich ohne zeitliche oder geografische Einschränkung auf vielfältige Korpora beziehen.

Thematische Schwerpunkte

Die Beitragsvorschläge können einem oder mehreren der folgenden, ausdrücklich nicht exkludierend verstandenen Schwerpunkten zugeordnet werden:

1) Kartierungen und kritische Traditionen der literarischen Mehrsprachigkeit
– Historiographische und disziplinäre Bestandsaufnahmen des Forschungsfeldes zur wissenschaftlichen Orientierung und Einordnung aktueller Ansätze.
– Untersuchungen zur literarischen Mehrsprachigkeit in nationalen oder nationalsprachlich definierten Traditionen der Kritik.
– Analysen von Austausch, Überlagerungen und Abgrenzungen zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Traditionen (frankophon, germanophon, anglophon, italophon usw.).

2) Schreibpraktiken und Formen literarischer Mehrsprachigkeit
– Theoretische Ansätze und methodische Zugänge, mit deren Hilfe mehrsprachige Schreibweisen beschrieben und analysiert werden können.
– Beiträge aus der Übersetzungswissenschaft, der Textgenetik, der Linguistik oder den Kognitionswissenschaften, sofern sie neue Einsichten in mehrsprachige Schreibprozesse eröffnen.
– Arbeiten zu Typologien und Poetiken literarischer Mehrsprachigkeit.

3) Korpora, Lektüre und Rezeption
– Vorschläge zur Neubestimmung literarischer Korpora und Kategorien ausgehend von mehrsprachigen Schreibweisen.
– Studien zur diachronen Entwicklung mehrsprachiger Praktiken und ihrer Rezeption.
– Theoretische Überlegungen zu mehrsprachiger Lektüre, etwa zu partiellem Verstehen, Opazität, Nicht-Übersetzung oder editorischen Verfahren.

4) Soziale, institutionelle und politische Dimensionen
– Analysen zu Sprachhierarchien, (Un-)Sichtbarmachung und Glottophobie im literarischen Feld.
– Untersuchungen zur Rolle von Institutionen, Literaturpreisen und Verlagspolitiken bei der Marginalisierung oder Aufwertung literarischer Mehrsprachigkeit.
– Beiträge zu den Zusammenhängen zwischen literarischer Mehrsprachigkeit, Globalisierung, Migration und kolonialen Hinterlassenschaften.

Einreichungsmodalitäten

Abstracts der Beitragsvorschläge (ca. 500 Wörter), ergänzt durch eine Überblicksbibliographie, sind bis zum 30. März 2026 einzusenden bei:
Questo indirizzo email è protetto dagli spambots. È necessario abilitare JavaScript per vederlo. (mit Kopie an Questo indirizzo email è protetto dagli spambots. È necessario abilitare JavaScript per vederlo.).

Die Beiträge können in einer der sechs Publikationssprachen der Zeitschrift verfasst werden (Französisch, Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch).

Die angenommenen Beiträge sollen folgende Bestandteile umfassen:
– den Text des Artikels (max. 35.000 Zeichen),
– eine Zusammenfassung in drei Sprachen,
– fünf Schlüsselwörter in jeweils drei Sprachen,
– eine bio-bibliographische Notiz (ca. 150 Wörter).

Zeitplan:

– Veröffentlichung des Calls: 28. Januar 2026
– Einsendeschluss für Abstracts: 30. März 2026
– Rückmeldung des Redaktionskomitees: 15. April 2026
– Abgabe der vollständigen Artikel: 20. Juni 2026
– Begutachtung durch externe Gutachterinnen und Gutachter: 30. September 2026
– Rückmeldung an die AutorInnen: 15. Oktober 2026
– Abgabe der endgültigen Fassungen: 30. November 2026
– Veröffentlichung des Heftes: Dezember 2026 – Januar 2027