19. Januar 2010, FAZ
Europa im Fernsehen: Brigitte Bardot ins Dschungelcamp!
Im Regionalbereich
Auch Schlagersendungen hatten es sich über Jahrzehnte zu ihrer vornehmsten Pflicht gemacht, Weltläufigkeit zu demonstrieren und eine Eleganz zu pflegen, die, so wusste man es bis in die siebziger Jahre, erst hinter den Landesgrenzen begann. Heute mögen wir über Wencke Myhre, Gitte Hænning und Mireille Mathieu mit ihrer atombombensicheren Frisur lachen, aber jahrzehntelang erinnerten sie das Publikum daran, dass es so etwas wie Europa gibt und dass es weiter zusammenwächst. Doch welcher Radiosender spielt heute überhaupt noch Chansons, vom Fernsehen ganz zu schweigen? Wo könnten, von Carla Bruni abgesehen, frankophone Stars mal live und in Farbe zu bewundern sein? Auf welchem Sender wäre das Festival von San Remo zu verfolgen? Und wer ist gerade hip in Schweden?
In der Jubiläumssendung zum fünfzigsten Geburtstag von „Stars in der Manege“ am vergangenen Montag war diese Tendenz klar zu erkennen: In den ersten fünf Jahrzehnten jener Sendung kam ein großer Teil der auch dem deutschen Publikum bekannten Stars aus dem europäischen Ausland: Gilbert Bécaud, Caterina Valente, Claudia Cardinale, Oleg Popow und viele andere sind dort für den guten Zweck aufgetreten. Das galt aber leider nur für die Ausschnitte von anno dazumal. Die aktuelle Sendung schien sich, was die Gäste betraf, auf den Einzugsbereich des Münchener Verkehrsverbundes zu beschränken. Nichts gegen Nina Ruge, die Wepper-Brüder, Uschi Glas und Christian Ude, aber in ihnen bildete sich in jener Gala der tragische und anachronistische Rückzug des Fernsehens auf berechenbares Terrain ab.
Verschleierte Realitäten
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