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Der Mensch hinter der Maschine: neue Technologien, Sprache und Emotionen

39. Romanistiktag Universität Konstanz | 22.–25. September 2025

Sektionsleitung und Kontakt
Această adresă de email este protejată contra spambots. Trebuie să activați JavaScript pentru a o vedea.">Dominique Dias (Sorbonne Université Paris)
Această adresă de email este protejată contra spambots. Trebuie să activați JavaScript pentru a o vedea.">Nadine Rentel (Westsächsische Hochschule Zwickau)
Această adresă de email este protejată contra spambots. Trebuie să activați JavaScript pentru a o vedea.">Tilman Schröder (Hochschule München)

Neue Technologien haben den Sprachgebrauch und Kommunikationsgewohnheiten im Laufe der Zeit grundlegend verändert. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sprachliche Zeichen in den meisten Fällen technisch-medial hergestellt, vermittelt und rezipiert werden. Dies ist zumindest eines der Postulate der Medienlinguistik, für die alle Linguistik Medienlinguistik sein sollte (Schmitz 2018: 34). Im 21. Jahrhundert lässt sich diese sprachlich-kommunikative Entwicklung durch neue Technologien in verschiedenen Formen beobachten: Kommunikation wird nicht nur schneller und komplexer, es entsteht dabei eine völlig neue Art von Kommunikation. Paveau (2013: 36) spricht sogar von „technolangage“: damit weist sie darauf hin, dass Technik nicht bloß ein Medium oder Träger der Kommunikation ist, sondern ein eigenständiger struktureller Bestandteil von Diskursen. So entstehen neue Textsorten und
Kommunikationsformen (Webseiten, Internetforen, Onlinemedien…), die sich nicht nur in der Übertragung von traditionellen Routinen in den virtuellen Raum manifestieren, sondern neue eigene Regeln festlegen. Internet Memes basieren z.B. auf einer neuen multimodalen Form der Textualität (Wagener 2022), die sich von offline-Praktiken deutlich abgrenzt. Interaktionen werden zum Teil neu definiert (z.B. in Social Media, wo die Grenzen zwischen privater und öffentlicher Kommunikation zusehends verschwimmen). Die Entwicklung von KI und Chatbots ermöglicht sogar eine Mensch-Maschine-Interaktion, die Authentizität und Urheberschaft von Texten in Frage stellt. Diese immer wichtigere Rolle der neuen Technologien in der Kommunikation geht aber nicht mit einer „Entsubjektivierung“ der Sprache einher. Ganz im Gegenteil tauchen neukonfigurierte „mediale Emotionskulturen“ (Hauser, Luginbühl & Tienken 2019) auf, sei es in der Selbstdarstellung der Individuen oder im Engagement für das Kollektiv.

Vor diesem Hintergrund sollen im Rahmen der Sektionsarbeit Formen und Funktionen von sprachlichen Emotionalisierungsprozessen in technologisch vermittelter Kommunikation unter verschiedenen Blickwinkeln behandelt werden. Diese Prozesse können argumentative Kontexte betreffen, in denen Emotionen und Subjektivität in den Vordergrund rücken: man denke z.B. an besondere Strategien der Selbstdarstellung in Social Media, deren Ziel es ist, die Adressaten zu überzeugen (Marwick & boyd 2011), an Humor als kommunikative Strategie, etwa in der Werbung (Soulages 2006) oder in Memes (Yus 2021). Durch Emotionalisierungsprozesse werden auch prinzipiell objektiv dargestellte Informationen anders rezipiert (siehe zum Beispiel die Rolle von Clickbaits auf Webseiten (Schröder 2018)). Darüber hinaus verändern diese Emotionalisierungsprozesse nicht nur das Verhältnis zwischen Sprecher*in und Inhalt, sondern auch teilweise zwischen Individuum und Gesellschaft: sie tragen einerseits dazu bei, neue Formen von Gemeinschaftsgefühl anzustoßen. Im Kontext der digitalen Technologien entstehen sogenannte „light communities“ (Blommaert & Varis 2015): temporäre Gruppen, die sich durch kurzzeitige Fokussierung auf wahrnehmbare und teilbare Merkmale sozialer Aktivitäten bilden. Und die dynamische Natur der Gemeinschaftsbildung im digitalen Zeitalter kann dazu führen, Formen des Engagements oder der Inklusion zu fördern (siehe die verschiedenen Kategorien des digitalen Aktivismus nach Fielitz & Staemmler (2020: 430): „Klick-Aktivismus, Hashtag-Aktivismus, Kampagnen-Aktivismus, Hacktivismus, Tech-Aktivismus“). Andererseits können diese Emotionalisierungsprozesse genauso negativen Dynamiken dienen: digitale Medien sind auch für Phänomene wie Hate-Speech (Lorenzi Bailly & Moïse 2021) und Empörungswellen (sog. „Shitstorms“) (Stefanowitsch 2020) bekannt.
Schließlich ist einer der zu berücksichtigenden Aspekte die Auswirkung solcher
Emotionalisierungsprozesse auf den Wissenstransfer. Die digitale Kommunikation ermöglicht eine schnellere Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse durch vielfältige Textsorten (Blog, Podcast, Forschungstagebücher, Open-Science-Initiativen…), in denen Laien gelegentlich die Rolle der Experten übernehmen (Rentel 2023; Dias 2023). Aber auch eher traditionelle Textsorten tendieren aus didaktischen Gründen zu einer Emotionalisierung, z.B. TV-Wissensdokus (Jaki 2019). Allerdings trägt die digitale Kommunikation gleichzeitig dazu bei, Phänomene der Manipulation zu verstärken (Fake News, Verschwörungstheorien, usw.), die genauso auf Emotionen setzen.

Forschungsergebnisse zu solchen Phänomenen und Prozessen liegen bereits vor; dennoch ist insbesondere für die romanischen Sprachen weiterhin erheblicher Forschungsbedarf festzustellen, sowohl in theoretisch-methodischer als auch in anwendungsorientierter Sicht. Erwünscht sind daher einzelsprachbezogene Beiträge sowie sprach- und kulturkontrastiv angelegte Studien. Die nachfolgenden Themenbereiche verstehen sich als Auswahl bzw. Anregung. Weitere Aspekte und Problemstellungen sind willkommen.

Emotion und Argumentation

  • Rolle der Emotionen in der Argumentation online (vs. offline)
  • Selbstdarstellung (Social Media, Vlogs, Foren, usw.)
  • Humor als argumentative Strategie

Individuum und Gesellschaft

  • Beziehung zwischen Individuum und Kollektiv
  • Bildung von Online-Communities
  • Individuelles und kollektives Engagement online (Online-Petitionen, Aktivismus in Social Media…)
  • Darstellung der Inklusion
  • Hate speech

Auswirkung auf den Wissenstransfer

  • Rolle von Laien vs. Experten online (Laienrezensionen, Tutorials, etc..)
  • Medienlinguistische Untersuchungen von neuen Formaten (Podcasts, Forschungstagebücher, Werbespots zur Sensibilisierung gesellschaftlicher Probleme…)
  • Wissensvermittlung während/nach der COVID-19-Pandemie
  • Verschwörungstheorien (Impfgegner, Klimaskeptiker…)
  • Verbreitung von Terminologie und Fachsprachen
  • (Neue) Formen der Populärwissenschaft
  • Fake News, Faktchecking

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Rahmenthema

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