Quelle: Fikrun wa Fann
So unterschiedlich Europa und Indien auf den ersten Blick wirken, im Zuge der europäischen Vereinigung fallen immer mehr Gemeinsamkeiten auf. Das betrifft besonders die Sprachen.
Die gegenwärtige Entwicklung Europas kann als Prozess betrachtet werden, worin Nationalstaaten mit einem relativ hohen Grad an kultureller Kohärenz sich zu einer komplexeren multikulturellen und mehrsprachigen Organisationsform entwickeln. Dieser Entwicklungsprozess wird durch intellektuelle Reflektionen über die europäische „Idee“ begleitet, welche wiederum auf den seit der Romantik vorhandenen Europadiskurs zurückgehen und so eine Tradition bilden. Die europäischen Entwicklungen sind ihrerseits Teil eines weltweiten Transformationsprozesses, welcher durch die Probleme der Migration, religiöse und ethnische Positionierung, Strategien der Inklusion und Exklusion und den Umgang mit Diversität gekennzeichnet ist. Im internationalen Zusammenhang wird der Diversifikationsprozess relativ monolingualer, monokultureller Staaten in Europa begleitet von den Spannungen, in denen sich bereits bestehende multilinguale, multireligiöse, plurikulturelle Staaten wie Indien befinden. Diese Spannungen führen in Indien zum Homogenisierungsdruck im religiös-kulturellen Bereich und zur Schrumpfung des säkularen Raums. In beiden Fällen geht es um das dialektische Verhältnis zwischen dem Abbau von Grenzen und der Förderung von Diversität. Mehr lesen...