Logo de l'OEP

Sélectionnez votre langue

Logo de l'OEP

Stolze Franzosen bekämpfen Anglizismen

Der Westen : das Portal der WAZ Mediengruppe

Paris. Einen „meeting point” oder einen „Computer” sucht man in Frankreich vergebens. Seit langem zieht das sprachstolze Land gegen die Flut der Anglizismen zu Felde.

Guy Mathiolon hatte das offenbar vergessen. Voller Stolz hatte der Präsident der Industrie- und Handelskammer von Lyon Mitte Februar den neuen Markennamen für die beiden Flughäfen der Rhone-Metropole enthüllt. „Lyon Airports” sollte kurz und knackig die internationalen Ambitionen der Flughafenbetreiber unterstreichen, die hoch hinaus wollen. Mit acht Millionen Passagieren hatte das Lyoner Luftkreuz im letzten Jahr ein Rekordergebnis eingefahren.

 

Doch Mathiolon, nebenher auch Chef des Flughafen-Aufsichtsrats, hatte die Rechnung ohne den regionalen Präfekt gemacht. „Lyon Airports” – das war nicht nach dem Geschmack von Monsieur Jacques Gerault, den man überdies vergessen hatte, nach seiner Meinung zu fragen. Der französische Staat ist Mehrheitsaktionär der Lyoner Flughafengesellschaft. Just am Tag der Frankophonie, an dem Frankreich sich jedes Jahr aufs Neue seiner einzigartigen kulturellen Stellung in der Welt versichert, trudelte ein Brief des Präfekten beim Direktor der Flughafengesellschaft ein, in dem der Präfekt sein Veto gegen die Umbenennung einlegte. „Angelsächsische Begriffen machen keine internationale Politik aus”, wetterte er. Heftig bedauerte der Präfekt, wie „einige Stellen das wirtschaftliche und kulturelle Gewicht der französischen Sprache” unterschätzten. „Marketing ist ebenso wirksam auf französisch”, meinte der Statthalter des Präsidenten, dem im Eifer des Gefechts nicht auffiel, dass „Marketing” auch nicht gerade französischen Ursprungs ist.

„Bürger von Lyon, do you want to speak english? Yes or No”, legte die Lokalzeitung wiederum spöttisch nach. Nur wenige Stimmen fanden sich zur Verteidigung der neuen Flughafen-Marke. Monsieur Mathiolon kroch daher schnell zu Kreuze, räumte ein, dass die bessere Lösung gewiss sei, auch künftig auf französisch Lyons Flughäfen weltweit zu vermarkten. 200000 Euro hatte die ganze Aktion gekostet, bei der mehrere Werbeagenturen nach einem neuen, griffigen Namen für die beiden Flughäfen Saint-Exupery und Bron gesucht hatten. Das hatte der Präfekt überdies noch als Geldverschwendung in diesen Krisenzeiten angeprangert. Nun bleibt alles beim Alten. Wer künftig nach Lyon fliegt, landet auch weithin auf den „Aéroports de Lyon”. Anglizismen – Non merci!