Cet ouvrage collectif, dirigé par Anemone Geiger-Jaillet et Esa Christine Hartmann (Université de Strasbourg, UR 1339 LiLPa), explore la coopération éducative et culturelle dans la région transfrontalière du Rhin Supérieur. S’inscrivant dans le programme européen NEFLAW (Narratifs Européens de la Frontière) dirigé par Frédérique Berrod (Sciences Po Strasbourg), il rassemble 12 contributions interdisciplinaires sur l’apprentissage plurilingue, l’enseignement interculturel et la coopération transfrontalière. Véritable réflexion, tantôt en allemand, tantôt en français, sur les frontières comme moteurs d’innovation éducative, ce livre s’adresse aux enseignants, chercheurs et décideurs européens.

Dirigé par Anemone Geiger-Jaillet et Esa Christine Hartmann de l’Université de Strasbourg, la publication s’inscrit dans le projet interdisciplinaire Narratifs européens de la Frontière (NEFLAW), initié par Frédérique Berrod, titulaire d’une Chaire Jean Monnet (2022-2025).

A trouver sur : Éditions de Bonne Heure (EDBH). Collection Sciences Humaines

Grenzenlos mehrsprachig. Education et formation par-delà les frontières.

Geiger-Jaillet, Anemone / Hartmann, Esa Christine (dir.).

Collection Sciences Humaines. Editions De Bonne Heure

Novembre 2024. Strasbourg. 259 p. ISBN: 9 782493 781307. Prix: 16,-€

 

Dr. Christine Fourcaud

Der 2024 von Prof. Dr. Anemone Geiger-Jaillet und Dr. Esa Christine Hartmann herausgegebene Sammelband „Grenzenlos mehrsprachig. Éducation et formation par-delà les frontières„ ist eine solide deutsch-französische Gemeinschaftsproduktion von 14 Autorinnen und Teil des interdisziplinären Forschungsprojekts Narratifs européens de la frontière an der Université de Strasbourg. Das Werk verbindet Inhalt und Form: Es befasst sich mit Mehrsprachigkeit in den europäischen Kontaktzonen Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich, indem es sich selbst als zweisprachig präsentiert. Besonders hilfreich ist die zweisprachige Gestaltung der einzelnen Beiträge, die einem erweiterten Leserkreis einen synthetischen Überblick ermöglicht. Auch die konsequent zweisprachige Konzeption des Bandes ist zu begrüßen.

Die zwölf Beiträge sind in vier Teilen gegliedert:

  • Der erste Teil Réflexions sur les frontières en Europe / Überlegungen zu den europäischen Grenzen bietet eine theoretische Grundlage zu der Grenzenproblematik in Europa.
  • Im zweiten Teil Lernende/Apprenants interessieren sich die Autorinnen für die Wahrnehmung von Grenzen.
  • Der dritte Teil Ressources/Ressourcen behandelt die pädagogischen Ressourcen.
  • Der vierte Teil Lehrende/Formateurs et enseignants thematisiert die Lehrerausbildung und deren grenzüberschreitende Mobilität.

Im ersten Teil befasst sich Frédérique Berrot – Europarechtlerin und seit März 2025 Präsidentin der Universität Strasbourg (UNISTRA) – mit der Grenze als Raum europäischer Integration. Dieser einführende Beitrag aus europarechtlicher Perspektive legt die theoretische Grundlage für die anschließende Analyse von Anemone Geiger-Jaillet zu den Desiderata der grenzüberschreitenden Bildungslandschaft im Oberrheingebiet. In ihrem Artikel „Erziehung und Bildung – ein grenzüberschreitender Rückblick, aus dem wir Lehren ziehen?“ zeigt sie, wie sehr die Förderung der Bilingualität unter der instabilen Finanzierungspolitik chronisch leidet. Ihr Beitrag ist eine klare Mahnung an die politischen Akteure, endlich für Nachhaltigkeit zu sorgen, anstatt kurzfristige Programme aufzulegen, die nachweislich weniger Ertrag bringen und kostspieliger sind. Besonders eindrücklich ist ihre Schlussbemerkung: „Trotz aller Fortschritte wurde die ʿSprachlosigkeitʾ zwischen Deutschland und Frankreich auch durch den Aachener Vertrag von 2019 nicht behoben. Die Zahl der Französisch- und Deutschlernenden ist auf einem Tiefstand, während kulturelle Stereotypen und die Vorstellung, dass Künstliche Intelligenz das Sprachenlernen ersetzen könnte, die Zukunft der Mehrsprachigkeit gefährden.“ Hier erinnert sie an die Warnung von Harald Weinrich, Mitglied des Collège de France, der bereits 1978 anmerkte: „Die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich dürfe nicht in einer sprachlosen Freundschaft enden.“

 Der zweite Teil widmet sich den Lernenden: Wie nehmen sie die Grenzen wahr? Wie lernen sie die Sprache des Nachbarn? Die Antwort auf die erste Frage fällt laut Annette Kliewer, Gymnasiallehrerin in der Südpfalz, ernüchternd aus: Jugendliche entwickeln kein grenzüberschreitendes Gemeinschaftsgefühl, so die Ergebnisse einer Umfrage unter Zehntklässlern aus dem Jahr 2006. Die Öffnung der Grenzen in Europa und die verbesserten Kontaktmöglichkeiten führen nicht automatisch zu größerem Interesse, wie sie kritisch anmerkt (S. 74). Beachtenswert ist ihre Referenz auf „die Tücken der Nähe“ (Baur 2000) sowie ihre Schlussfolgerung: „Diese negativen Einstellungen der Nachbarkultur gegenüber finden sich gerade besonders häufig dort, wo die ökonomische Notwendigkeit es verlangt, dass man die Nachbarsprache lernt“ (S. 75). Die Globalisierung habe zur „Herausbildung immer neuer Subkulturen und zu einer Verhärtung der Abgrenzung“ geführt (S. 85). Die anschließenden Beiträge von Gredel/Esa Hartmann und Kliewer berichten über Aktionsforschungen, die versuchen, einen positiven „dritten Raum“ des Zusammenlebens zu gestalten. Lehramtsstudierende eines deutsch-französischen Studiengangs nähern sich mithilfe von Literatur der Entwicklung eines bilingualen Narrativs zur Grenzproblematik.

Der dritte Teil ist insbesondere für Sprachpädagoginnen und -pädagogen von Interesse, da hier pädagogische Materialien und Ressourcen für den Spracherwerb im Oberrheingebiet vorgestellt werden. Dazu gehören sowohl eine vom Bildungsministerium und der Region Elsass bereitgestellte pädagogische Plattform zur Förderung des Deutsch- und Dialektunterrichts (Geiger-Jaillet), als auch translinguale Bilderbücher (Hartmann). Das pädagogische Potenzial des translingualen Bilderbuchs als ganzheitliches Kunstwerk wird anhand seiner semiotischen Systeme und textuellen Elemente analysiert. Schließlich werden auch die Anwendungsmöglichkeiten digitaler Spiele zur unterhaltsamen Förderung von Sprach- und Kulturkompetenzen untersucht. A. Geiger-Jaillet legt dabei besonderen Wert auf die Entstehung und Struktur des Spiels, die Rückmeldungen der Nutzer:innen sowie die pädagogischen und sprachlichen Grenzen seiner Anwendung im schulischen und außerschulischen Kontext.

Der vierte Teil ist den Lehrenden gewidmet. Hier werden Einzelprojekte aus dem Grenzgebiet präsentiert. Thematisiert werden die Mobilität der Lehrkräfte (Ganguillet/Lovey), Fortbildungsprogramme (Ender/Hartmann) sowie die soziodidaktische und linguistische Komplexität des Deutschunterrichts (Putsche).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass insbesondere die stärker analytischen Teile I und II überzeugen. Trotz einiger formaler Fehler (z. B. das Erratum auf S. 211 im Beitrag von Putsche) und obwohl die Beiträge qualitativ unterschiedlich sind, fällt positiv auf, dass der vielfältige Ansatz den Band zu einem wertvollen Werkzeug für Forschende, Lehrende, Politiker:innen und sprachpolitische Praktiker:innen macht, in dem jede:r gezielt nach dem eigenen Interessensbereich nachschlagen kann.