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Das innere Leben einer Sprache (Süddeutsche.de)

Eine Kolumne von Aktham Suliman, Süddeutsche Zeitung

In arabischen Ländern wird die Suppe getrunken, in Deutschland wird sie gegessen.

Es gibt auch Vorteile, wenn man eine Sprache erst im Erwachsenenalter lernt. Kinder lernen keine Sprache, sie sprechen sie, Erwachsene schon, und entwickeln dabei eine ganz andere Beziehung dazu, jenseits von Selbstverständlichkeiten. Wäre etwa der syrisch-stämmige und äußerst erfolgreiche deutsche Autor Rafik Schami in Deutschland geboren und aufgewachsen, hätte er sicherlich niemals sein besonderes Verhältnis zum "ß" entwickelt. Bei einem Interview nach der Rechtschreibreform klagte der Geburts- und Gefühls-Damaszener, dass ihm das reformbedingte Ersetzen von "ß" durch "ss" seinen Lieblingsbuchstaben raube, "einen Buchstaben mit Nase und Bauch". Eine Form- und Kurvenwahrnehmung, wie sie bei Muttersprachlern wohl kaum möglich wäre. >>>>>>>>>>